Der Anzug

Wert: Respekt
Autor: T.K. aus Lübeck

Seit einigen Jahren reise ich an Orte, an denen sich die Konsequenzen globalen Wirtschaftshandelns auf dramatische, ja menschenverachtende Weise zeigen.

Die Lebensbedingungen derer, die unseren Wohlstand erleiden, sind zu großen Teilen traumatisch und führen mich in eine hilflose Traurigkeit. Als Künstler dokumentiere ich diese Orte, die die öffentliche Berichterstattung durch Schweigen unsichtbar gemacht hat, mit dem Freund und Fotokünstler J.N. in den illegal abgeholzten Wäldern Sumatras (Indonesien) oder in den Minen des Ost Kongos. Dort lasse ich mich in den Posen der erfolgreichen Vorstandsvorsitzenden von Apple, Nestlé oder demokratisch gewählten Politikern in einem dunkelblauen Anzug fotografieren, um in den Medien für Aufmerksamkeit zu sorgen. Der Verfall menschlicher Würde, der Verfall unser aller Lebensgrundlage und die Maßlosigkeit der Ignoranz westlicher Gesellschaften stehen mir vor Augen, wenn ich nach meinen Reisen den Anzug in den Schrank hänge.

Seit einigen Monaten haben J.N. und ich beschlossen, unsere Zielorte zu erreichen, ohne ein Flugzeug zu benutzen.

Eine Geschichte über Respekt